Bentley Factory Tour

Eine Woche nach Arbeitsbeginn erhalten die neuen Praktikanten eine Führung durch die Produktion bei Bentley.

Es gibt zwei Produktionslinien für die Continental-Baureihe und für den Mulsanne, auf denen die Fahrzeuge von Hand gefertigt werden. Industrieroboter sieht man hier allenfalls, um den Werkern neue Teile zu reichen. Es gibt zwar ein Fließband, dieses läuft jedoch so langsam, dass man kaum eine Bewegung erkennen kann. Auch die Motoren der Fahrzeuge werden von Hand zusammengesetzt und anschließend einem Testlauf unterzogen. Erst wenn die Maschine einwandfrei läuft kennzeichnet sie der Werker mit seinem Namen und gibt sie zum Verbau in ein Fahrzeug frei.

Wirklich einmalig sind der Woodshop und die Lederabteilung, die neben dem Motorenbau auch für die beiden großen Kernkompetenzen von Bentley stehen. Nicht nur, dass die Hölzer auf Lager teilweise mehr als 80 Jahre alt sind, auch die Art und Weise, wie sie von Hand verarbeitet werden sind bewundernswert. Es dauert 15 Arbeitstage, um alle Holzeinlagen für ein Fahrzeug zu fertigen. Das Furnier wird zunächst als dünne Bahn vom Massivholz abgelöst. Für ein Fahrzeug werden immer zwei benachbarte Bahnen verwendet. Auf diese Weise ist die Musterung auf beiden Seiten des Fahrzeugs entlang der Dekorleisten absolut symmetrisch und läuft am Armaturenbrett nahtlos zusammen.

In der Lederabteilung werden in mühsamer Detailarbeit Stickereien aufgebracht, auf Wunsch auch der eigene Name oder spezielle Muster bis hin zum Familienwappen in den Kopfstützen. Außerdem werden Sitze und Lenkräder dort bezogen und geprüft. Bevor eines der großen Lederstücke verwendet werden kann, wird es ausgiebig geprüft und jede Unregelmäßigkeit markiert. Alles, was nicht absolut gleichmäßig und ohne Farbflecken ist, wird nicht verwendet – dazu sei aber gesagt, dass die Qualität dieser Stücke keinesfalls als schlecht zu bezeichnen ist. Auf die Frage, was mit dem Verschnittmaterial geschieht, meinte der Tour Guide, dass es nicht weggeworfen, sondern an andere Verarbeiter verkauft wird und fügte spöttisch hinzu „oder wir schicken es an Aston Martin“.

Abgerundet wird die Factory Tour durch die hauseigene Ausstellung, die ansonsten ausschließlich Kunden vorbehalten ist und die wechselnde Exponate zeigt, wie das Speed 8 Le-Mans-Siegerauto von 2003 und auch den ältesten existierenden Bentley, den 3 Litre Experimental No. 2.